Zwei Jahre

Am 28.04 habe ich Jubiläum gefeiert, denn vor zwei Jahren, am 28/04/2010, um genau zu sein, landete ich in Cork und damit in Irland. Es war zwar nicht so spektakulär wie 1096, als Wilhelm der Eroberer in England einfiel, aber für mich ein doch sehr erhebender Moment.

Nun fragen mich manche völlig überrascht, “Zwei Jahre in Irland, geht das überhaupt?” Und ich muss dann immer gestehen, “erstaunlicherweise ja, es geht.”
Vielleicht liegt es am Ueberlebenswillen, am irischen Whiskey, oder am berühmten irischen Wetter, was wahrscheinlich zu meiner Konservierung beigetragen hat, so dass ich die Zeit nicht mal habe vorrueber fliegen sehen. Ich habe es nur völlig überrascht festgestellt, als ich auf den Kalender sah und mir einfiel, “Donnerknispel, zwei Jahre schon hier und nichts gemerkt.”

Von aussen betrachtet hegen manche Menschen die Vorstellung von uns, dass wir uns den ganzen Tag in Pubs rumtreiben, Guiness saufen und wenn uns fad im Schädel ist, auf winzigen Pfeifchen spielen, melancholische Musik machen und dazu tagein- tagaus tanzen, aber dem ist nicht so, denn Guiness ist hier bah. Bei uns in Cork verkaufen wir das an die Touristen, die dann wiederum verblüfft feststellen, “die Iren arbeiten ja?”
Tja, manchmal habe ich so das Gefühl, dass uns der Rest der Europäer als dem afrikanischen Kontinent zugehörig sieht, und uns eher so wie halbgebildete Wilde betrachtet. Kulturell und touristisch sehr reizvoll, aber anders halt. Und die Engländer betrachten uns aus einer Mischung ungläubigen Staunens und massloser Verachtung, dass Irland ohne das britische Mutterland überleben konnte. Besonders waehrend der Wirtschaftskrise machten sich viele Engländer unglaublich viele Gedanken, ob man Irland zurück nehmen solle, oder aber den Stöpsel in der Mitte der Insel zieht und den Rest, der der Katastrophe entgeht, auf den Neuen Hebriden ansiedelt, schliesslich ist das Wetter vergleichbar mit dem Westen Irlands.

Was den Tourismus betrifft ist man in der Tat sehr einfallsreich Touristen auf die Insel zu schaffen und sie, nachdem sie zünftig über den Tisch gezogen hat, wieder in’s Meer zu entsorgen. Was nutzt uns auch ein Hungerleider der sein Geld im Pub, beim Wetten und beim Sean nós dance sinnlos verschleudert hat. Bei letzterem im wahrsten Sinne des Wortes.
Deswegen finden es auch viele Iren völlig schwachsinnig, dass es Menschen gibt, die nicht als Touristen, sondern zum arbeiten auf die Insel kommen, während viele Iren fluchtartig das Land verlassen und in England, Australien, Neuseeland, oder den USA ihr Einkommen suchen.
Wie mir mal ein Ire spasshaft sagte, “das einzige was man in Irland findet, sind Schafe, Kühe, Pferde, Arbeitslose, Rentner und Rechtsanwälte. Dazu dann noch Euch Ausländer.”
In der Tat ist die Auswanderung ein Thema, das viele Iren belastet. Zwar ist es nicht mehr so, wie im 19ten Jhr. als Hunger und wirtschaftliche Perspektivlosigkeit die Menschen aus dem Land trieb und Liverpool praktisch das New York der Nachbarschaft wurde, aber auch heute verlassen viele Iren das Land. Weniger wegen Hunger, den muss hier niemand erleiden, aber wegen der Wirtschaft.
Selbst die Feen und Leprechauns sieht man mittlerweile häufiger an den Flughäfen und auf Fähren.

In einem Artikel der “Irish Times” konnte man lesen, dass die Zahl der Bewerber bei den “Irish Guards” nach oben gegenagen ist. Etwa 32% der Bewerber besitzen einen Pass der Republik Irland. Nun ist es Iren zwar nicht unbedingt gestattet Militärdienst in einer ausländischen Armee zu absolvieren, aber bei den Irish Guards drückt man die Augen zu, so dass laut Times, die Irish Guards, die einzige Einheit ist, die sich keine Sorgen um Nachwuchs machen müsste.
Ein Gesetz, was wohl noch aus der Zeit stammt, als England über Irland herrschte, macht es möglich dass man problemlos in der britischen Armee dient. Ein Umstand übrigens, der es ermöglichte, dass im zweiten Weltkrieg knapp 56.000 Servicemen aus der Republik Irland kamen.

Wie lebt es sich also nun im “Armenhaus Europas,” wenn man Berichterstattungen in deutschen Zeitungen folgt und der Tatsache, dass wir wohl mit 320Mrd. in der Kreide stehen.
Ich muss sagen, nicht schlecht. Das Geld ist verprasst und man kann einem nackten Mann nicht in Tasche fassen, deswegen hat der irische Staat einige lustige Ideen entwickelt, wie man doch noch zu ein bisschen Geld kommen kann, in der Hoffnung, es “denen” irgendwann heimzuzahlen.

Was mich, jetzt nicht an Irland, aber an Cork tierisch nervt, das ist die grosse Zahl der Betrunkenen die teilweise schon um die Mittagszeit durch den Verkehr torkeln und manchmal alles anpöbeln, was nicht bei 3 auf den Bäumen ist. Auffällig ist dabei die Aggressivität mit der diese Leute unterwegs sind. Sie schimpfen, sie pöbeln und werden teilweise gewalttätig. Ein Umstand, den das Tourismusministerium hartnäckig verschweigt und den ich aus anderen Ländern nicht kenne.
Das Bild, welches von Iren vermittelt wird ist, dass wenn sie angetrunken sind, sie fröhlich singend andere um sich herum erheitern.
Wer hier lebt, der kann vom Gegenteil berichten und weiss, sie sind sehr unangenehm und lösen einen Fluchtreflex aus, denn sie sind nicht nur störend, sondern können auch durchaus gewalttätig werden.
Auffällig ist es deswegen, weil Irland sehr klein ist und wir nur sehr wenige Einwohner haben. Es mag sein, dass die Zahl in Deutschland, oder Frankreich ähnlich hoch ist, aber das liegt wahrscheinlich an der Fläche dieser Länder, sowie an den Einwohnerzahlen.

Nervig sind zu grossen Teilen auch die Jugendlichen und ihre Art nach Zigaretten zu fragen. Selbst wenn man Nichtraucher ist, man wird zwangsläufig in ein Gespräch verwickelt, “Hey, do you have a sparecigarette?” “No sorry, i don’t smoke!” “Feck, you bloody Bastard, if you don’t have a sparecigarette, so gi’me a Euro, that i can buy some.” “You Moron, you don’t even get one cigarette for a fucking Euro, so don’t waste my time and get a life!”
Egal was es ist, sie sind in der Lage und laufen quer über die Strasse um Passanten anzupöbeln.
Das stört nicht nur mich, sondern ist ein Problem, das selbst Iren stört. Viele Iren sind verärgert über die Jugendlichen, die wenig Respekt haben und es im Umgang mit ihren Mitmenschen an Respekt fehlen lassen.
Dabei muss ich sagen ist die Gesellschaft selber schuld. Es mag mit Sicherheit eine “irische Kultur” geben, nur findet man diese Kultur nicht in den Städten.
Die Staedte in Irland und besonders Cork, erinnern teilweise an englische Arbeiterstädte. Trist, trostlos, grau in Grau und dreckig. Auf diesen kurzen Nenner kann man es zusammen fassen.
Ich denke der Sightseeingbus vom Cork City Council schafft seine Tour der Sehenswürdigkeiten in 5 Minuten, mehr braucht es nicht, damit man die Schönheiten von Cork sieht.
Trotzdem war Cork für Liebe auf den ersten Blick, denn man muss wirklich die Leute kennen lernen, damit man die Stadt mögen kann.

Dabei ist auch das recht schwierig denn ich empfinde die Iren als sehr oberflächlich. Sie sind freundlich, sie laden Dich ein, oder geben Dir ein Bier aus, aber sie sind nicht sonderlich an Dir interessiert. Das übliche “How are you?” ist nicht wirklich ernst gemeint. Wenn man sagt, “not so good, i had a Heartattack last week,” ringt ihnen ein “oh, sounds not too bad,”ab und den üblichen Hinweis, “take care.” Mein Landlord und seine Frau kennen mich seit 2 Jahren, meinen Namen können sie immer noch nicht aussprechen, selbst mein Mitbewohner hat jeden Tag einen anderen Namen für mich, obwohl mein Name auf der Rückseite meines Leiberls steht.

Was auch nervt, das sind die gefühlten Millionen Hundehaufen, die es in einer Stadt mit gerade mal 100.000 Einwohnern gibt. Man laueft jeden Tag einen Megaslalom um nicht in diese Tretminen, die achtlose Hundebesitzer einfach nicht wegräumen mögen, zu geraten. Ich war selbst Hundebesitzer und habe die Häufchen meiner Liebsten oft genug beseitigen müssen, aber die Iren hoffen halt auf’s Wetter. “Der Regen wäscht es weg und wenn der nicht, wer weiss wozu es gut ist, früher haben wir damit die Felder gedüngt, heute halt den Asphalt. Ausserdem bringt der Tritt in Hundescheisse Glück. Wenn Du also in Barries Haufen trittst und gewinnst beim Pferderennen, dann war es mein Hund, dem Du das zu verdanken hast.”

Nervig ist auch der Spendenmarathon. In Irland gibt es unzählige gemeinnützige Organisationen deren Ziel es ist, Spender zu finden. Anders als in Deutschland, tragen sich die Vereine hier selbst, was zur Folge hat, dass an einem Wochenende in Cork gleich mehrere Volunteers unterwegs sind und Ausschau nach potenziellen Spendern halten. Will man diesen aus dem Weg gehen, dann empfiehlt sich, a.) ein schneller Schritt, b.) völlig teilnahmslos in eine andere Richtung zu schauen. Gerät man trotzdem in die Fänge, spricht man nur gebrochen englisch und gibt sich als Tourist aus. Ich habe zu dem Zweck einen Langenscheidt dabei. Die Leute schütteln dann nur noch hilflos mit dem Kopf und lassen einen ziehen. Bevorzugt stelle ich mich als Jacek aus Polen vor, der seinen Bruder hier besucht. Hilft immer.

Aber es gibt natürlich auch gute Seiten, logischerweise.
Da waere zunächst einmal das Outfit eines typischen Iren. Damit meine ich nicht diese völlig blödsinnige Werbung für das furchtbare Gesöff Tullamore Dew (Hier in Irland waschen wir uns nicht mal die Füße damit). Diese kernigen rotbehaarten Gestalten mit Flatcap, Pullover von der Insel Aran, Tweethose, Gummistiefel und Wolfshund.
Nein hier trägt man typischerweise Hoodie -bevorzugt von englischen Premierleague Teams, oder irish gaelic Sport-, dazu dann die passende Jogginghose und Runners.
Am Wochenende sieht man die weiblichen Iren in Miniröcke gezwängt, auf hochhackigen Schuhen und wundert sich, dass es nicht zu größeren Verkehrsunfällen kommt, weil sie absolut nicht mit diesen Schuhen laufen können.
Auch wenn die Iren jetzt meckern mögen, dass kenne ich eigentlich nur aus England und zeigt mir, dass Irland, auch wenn es formal unabhängig ist, sich von England mental nie trennen konnte.

Ich muss auch gestehen, so schmerzhaft es ist, Irland ist für mich die USA im Kleinen. Viele Dinge, z.b. mit einer Stretchlimo zur Abschlussfeier zu fahren, das kenne ich nur aus den USA, wahrscheinlich haben die ausgewanderten Iren die USA dergestalt geprägt, dass viele Dinge in Amerika nicht amerikanisch, sondern irisch sind, was die Behauptung vieler VT’ler widerlegt, die Juden wuerden die USA beherrschen. Nonsens, die Iren sind’s.

Wetten: Ein beliebter Zeitvertreib der Iren ist das Wetten. Iren wetten auf alles und Paddy Power ist die Gesellschaft, die hier in Irland am schnellsten wächst und die meisten Einnahmen macht mit ihren Wettbüros. Ob Hunde- oder Pferderennen, der Ire ist verrückt danach und Zeit für eine Pferdewette beim Tee, dafür ist immer Zeit.

Ich denke ich werde in Irland bleiben. Es mag zwar nicht alles perfekt sein, aber es ist “meine Insel,” und solange ich mal von dieser Insel runterkomme, nach England, ist alles in Ordnung. Irland ist England im Kleinen.

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11/09

Heute vor 10 Jahren fand der Angriff auf das Herz und den Puls der freien Welt statt. Am 11/09/2001 wurden die USA das Opfer von Terroristen die nichts mehr hassten, als den “American Way of Life” und alles wofür es steht.

Der 11/09 war mein letzter Tag in Österreich und bevor ich wieder nach Deutschland fuhr, meldete ich mich auf dem Magistrat der Stadt Maria Enzersdorf in Niederösterreich ab. Ich weiss noch das ich in der Höhe von Amstetten auf der A1 unterwegs war, als der österreichische Sender Oe3 sein Programm unterbrach und zunächst von einem Unfall in New York berichtete. Genau wusste niemand was passiert war, ausser dass offensichtlich ein Sportflugzeug, vermutlich eine Cessna, mit einem der Twin Tower zusammengestossen sei. Erst in der zweiten Meldung berichtete man von einem Passagierflugzeug und vom schwersten Unglück, welches jemals die Stadt getroffen hätte. Ich fuhr auf einen Autobahnparkplatz und lauschte der Sonderberichterstattung aus New York. Kurz nach dem Bericht unterbrach Oe3 sein Programm erneut und eine zweite Maschine traf das World Trade Center in New York. Diesmal sprach aber nicht von einem Unfall sondern zum ersten Mal von einem mutmasslichen Terroranschlag.

Nicht nur der Redakteur, auch ich überlegte, wer um Himmels Willen auf die Idee kommen würde ein Anschlag auszuführen, dazu noch mit einem Flugzeug?
Dann überschlugen sich sich die Berichte und das Programm wurde vollständig unterbrochen.
Kurz hinter der deutschen Grenze wechselte ich auf SWR3 und bekam mit, dass ein Flugzeug auf das Pentagon gestürzt sei und die zivile US-Luftueberwachung eine weitere Maschine vermisse (Flug UA93).
Live berichtete SWR3 vom Einsturz des ersten Gebäudes und ich war so geschockt, dass ich sofort einen Rastplatz anfuhr und dem Radio lauschte. Es war für mich absolut unvorstellbar, dass ein Gebäude wie das World Trade Center einfach so einstürzt, auch wenn es 1993 schon einmal einen Anschlag auf das Gebäude gab.

Etwas von mir entfernt standen US-Soldaten und hörten bei AFN vom Absturz von Flug UA93 in der Nähe von Pittsburgh. Die Soldaten waren aschfahl und eine Soldatin fing an zu weinen.
Mich hat das, was ich an diesem Tag gehört habe, bis in’s Tiefste erschüttert.
Als ich bei meinen Eltern ankam, bei denen ich Quartier genommen hatte, fragten meine Eltern aufgeregt, ob ich schon gehört hätte was passiert sei. Ich sagte ja und sass zusammen mit meinen Eltern vor dem Fernseher, wo die Liveberichterstattung aus den USA den ganzen Tag lief.
Ich gestehe: Es war nicht das erste Mal in meinem Leben, das ich um Menschen geweint habe, die ich nie in meinem Leben getroffen habe. Und es war das zweite Mal in meinem Leben, das ich eine unbändige Wut im Körper hatte. Das erste Mal war am 05.09.1972 als palästinensische Terroristen die israelische Olympiamannschaft in München während der Olympiade als Geiseln nahmen und nicht nur die israelische Olympiamannschaft, sondern auch zwei Polizisten starben.
In die Trauer mischte sich die Wut über diejenigen die nicht nur die USA hassten -die USA, bzw. die World Trade Center standen als Symbol-, sondern die Uns hassten. Unsere Art zu leben, unsere Werte, unser System und kaltblütig den Tod von knapp 3000 Menschen in Kauf nahmen. Mir war es ehrlich gesagt egal wer für diesen Anschlag verantwortlich war, im ersten Moment wäre es mir egal gewesen, wen die USA als Hintermänner einäschern. Die Verbrecher, die dahinter standen, sollten für das, was sie geplant hatten, zur Rechenschaft gezogen werden.

Nach der Trauer über die Opfer kam dann auch die Wut über die Häme mit, in der die Anschläge in den USA beklatscht wurden. Nicht in den Autonomiegebieten, sondern die vielen Europäer die sich unbändig darüber freuten, dass es die USA “auch mal erwischt” hatte. Dieser unerträgliche Antiamerikanismus brach sich in Kommentaren und Foren bahn. Zwar kannte ich einen gewissen Antiamerikanismus seit Vietnam in Teilen der Linken und seit Ronald Reagan in den Achtzigern, aber diese Art von Antiamerikanismus ging von der Mitte der Gesellschaft aus, und machte auch vor den Medien nicht halt.
Ganz besonders im Visier war George W. Bush. Der Präsident, der gerade mal seit 9 Monaten im Amt war, sollte schlimmer sein als Adolf Hitler. Allein die Tatsache dass George W. Bush ein Sohn von George H. W. Bush war, prädestinierte ihn für viele Europäer zum personifizierten Bösen, und viele wurden nicht müde sämtliche Verfehlungen des jungen Georg W. auszugraben. Egal was es war, ob seine überwundene Alkoholsucht, sein Einsatz in der Nationalgarde statt in Vietnam, oder ein Strafticket wegen Falsch parken. Georg W. war plötzlich das personifizierte Böse. Nicht die Terroristen waren schuldig, nein die USA und ihr Präsident waren persönlich für die Terroranschläge und für überhaupt alles schlechte in der Welt verantwortlich.

Man übertraf sich förmlich darin zu behaupten, das die Terroristen gar nicht anders konnten als die USA zu attackieren, schliesslich seien sie Menschen der 3. Welt von den USA unterdrückt. Die Tatsache das es sich um Leute aus der Oberschicht handelte interessierte niemanden, und wenn, dann waren das die modernen Che Guevaras der 3. Welt, die stellvertretend für die Hungernden den Krieg nach Amerika trugen.
Es dauerte auch nicht sehr lang da krochen die ersten selbsternannten “Experten” unter ihren Steinen hervor und verbreiteten die abstrusesten Verschwörungstheorien, sehr zur Freude derer, die es ja eigentlich schon immer gewusst hatten, sich das aber nie auszusprechen trauten. Gerade in Deutschland fanden Typen wie Broeckers, Wisnewski und von Buelow auf eine breite Anhängerschaft die ihre Bücher kauften und wie eine Bibel vor sich hertrugen.

Broeckers, der quasi ueber Nacht zum Star der Verschwörungsliteratur avancierte, erklärte in einem Interview, dass er gar nicht vor Ort recherchieren müsse, sondern im Internet alles finden würde, um die Anschläge in den USA erklären zu können. Vorher hatte er noch fleissig gekifft um sein Buch über Hanf schreiben zu können, genügten ihm nun Google, Yahoo und andere Seiten um den Anschlag als “Inside Job” zu deklarieren, was natürlich begierig aufgegriffen wurde, schliesslich hatten die USA ja schon Pearl Harbor selbst inszeniert. Wen stört es schon, wenn die Verschwörungen zu Pearl Harbor längst widerlegt sind.
Geradzu trotzig wurde die Meinung verteidigt, die USA sind neben die Israelis das Böse in der Welt und wer Gegenteiliges dazu erklärt, der sei halt ein Teil des Systems, was immer das heissen mag.
Wisnewski konnte seine verschwurbelten Theorien nicht nur in Büchern, sondern sogar im Auftrag des WDR verbreiten. Unglaublich aber wahr, finanzierte ein Sender aus Rundfunkgebühren diesen Müll und verteidigte das noch gegenüber seinen Kritikern. Erst als die Gegenbeweise Überhand nahmen und der WDR in Erklärungsnot geriet, da trennte man sich von seinem “Experten.”
Wisnewski wurde nicht nur für die Anhänger dieser Theorien zum Märtyrer. Selbst im bürgerlichen Lager witterte man eine “Riesensauerei” gegenüber einem “integren” Journalisten. Natürlich stand für viele fest wer hinter dieser Aktion steckt. Wenn nicht die CIA, oder andere amerikanische Geheimdienste, dann zumindest das State Department in Washington und die Lakaien in Berlin knickten ein.

Der 11.09 und alles was danach kam liessen in mir den Entschluss reifen, Deutschland zu verlassen. Bisher hatte ich zwar nie viel von Deutschland gehalten, aber dieses Ereignis war für mich, ehrlich gesagt, zuviel.
Menschen, bei denen ich nie gedacht hätte wie dumm sie eigentlich sein können, geiferten förmlich vor Erregung, das die USA getroffen wurden und dass soviel Menschen starben. Vor allem war für mich als Liberalen erschreckend, dass ausgerechnet diejenigen, die sich gerne als Liberale bezeichneten und die USA für die Wiege des Liberalismus hielten, dieser Antiamerikanismus durchbrach.

Der Psychoanalytiker Zwi Rex schrieb mal, “Die Deutschen werden den Juden Auschwitz nie verzeihen.” in Bezug auf den 11.09 hätte er es ergänzen können, “und den Amerikanern nicht den D-Day.”
An diesem Tag zeigten nicht nur grosse Teile in Europa, sondern auch in Deutschland, wie Abgrundtief der Hass gegen die USA ist und wie sehr man sich über die Opfer des Anschlages gefreut hat.
Vielleicht wäre es für Amerika nach Pearl Harbor besser gewesen, wenn sie sich ausschliesslich im Pazifik aufgehalten und nicht auch noch Europa von der Nazidiktatur befreit hätten. Damit avancierten sie, neben Israel, zum meistgehassten Staat auf diesem Planeten.
Für mich und nachdem ich nun nicht mehr in Deutschland lebe, ist dieser Jahrestag mit ein Grund keinen Fuss mehr nach Deutschland zu setzen. Dafür habe ich den Amerikanern, besser den Veteranen zu viel zu verdanken.

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Schwiegermutter zu Besuch

Im Vorfeld sprach man von einer “schwierigen Beziehung zwischen den Nachbarn,” dabei meinte man nicht einen Besuch des suedkoreanischen Staatspraesidenten in Pjoengjang, sondern den zwei Laender mitten in Europa und Besuch einer betagten Monarchin.

Der Besuch Queen Elizabeth II. war soetwas wie der Besuch der verhassten Schwiegermutti in der Stadt.

In der Tat, schaut man sich die irische Geschichte an, bedeutete der Besuch in Irland mehr, als den regelmaessigen Ausflug Berlins nach Paris zu gemeinsamen Kabinettssitzungen.
800 Jahre war die irische Insel vom grossen Inselnachbarn England besetzt, zahllose Iren starben in diversen Aufstaenden bis hin zum Anglo-Irischen Krieg. Viele Iren waren gezwungen, nicht nur nach England zu emigrieren, sondern auch in die USA um der Situation in Irland -gerade im 19. Jhr- zu entfliehen.
Legionen von fremden Maechten sahen Irland als Zentrum ihrer Interessen an, sei es Robert the Bruce, der seinen Bruder Edward nach Irland schickte, um die Ansprueche der schottischen Krone zu untermauern,, auch Spanier und Franzosen tummelten sich in Irland, und sahen in ihrem Abenteuer weniger die irische Sache, als vielmehr den Krieg gegen England. Irland und die Iren war da nur Teil ihrer Interessen.

Irisches Blut allerdings duenkte auch die Schlachtfelder dieser Welt. “Die Iren sind leicht und billig zu ersetzen,” soll Edward I.(Longshanks) gesagt haben. Dieser Spruch galt ueber Jahrhunderte. Kein Schlacht englischer Interessen, an denen nicht Iren, meist nicht ganz freiwillig, beteiligt waren. Allein im ersten Weltkrieg betrugen die Verluste Irlands 35.000 Soldaten und im zweiten Weltkrieg kaempften etwa 70.000 auf Seiten der Briten, allerdings weiss man nicht wie hoch die Zahl der Gefallenen ist, da Iren aus dem Sueden in den Irish Guards dienten und, um alle Widrigkeiten zu umgehen, zu Nordiren erklaert wurden.
Auch Heute noch gehen viele Iren aus der wirtschaftlichen Lage heraus nach Nordirland und treten dort in die Irish Guards ein. Schaetzungen zufolge duerften ertwa 5% der Angehoerigen aus dem Sueden stammen.

Erwaehnen sollte man auch die zahlosen Iren die von den Englaendern entweder in die Neuen Kolonien, oder nach Australien und Neuseeland deportiert wurden.

Aktuell kommt die wirtschaftliche Abhaengikeit Irlands von England hinzu. Geht man hier einkaufen, dann, so meine persoenliche Schaetzung, kommen bis zu 90% der Waren aus Gross Britannien. Allein Tesco duerfte gut ueber 90% an englischen Waren verkaufen. Und England hat sehr viel Geld in das Land gepumpt, um die wirtschaftliche Lage zu verbessern.
Alles in allem eine schwere Buerde fuer beide Seiten.

Allerdings gelang es der Queen souverain die Klippen zu umschiffen. Die Queen ging gezielt auf die Beziehungen ein und sprach alles an was fuer Iren bitter und schmerzlich ist, Und das hat vielen Iren hier gefallen. Elizabeth nahm kein Blatt vor den Mund und entschuldigte in ihrer Rede nichts, kein Wort von, “ganz leicht habt Ihr es uns ja auch nicht gemacht,” im Gegenteil. Nordirland klammerte sie bewusst aus, eine sehr weise Entscheidung, denn Nordirland gilt hier als Stachel im Fleisch vieler irischer Befindlichkeiten. Einzig den Friedensprozess in Nordirland sprach sie an, was fuer mich hiess, “am Status Quo Nordirlands wird nicht geruettelt.”

Betrachte ich persoenlich den Besuch, dann kam nicht die Schwiegermutti zu Besuch, sondern die liebe Omi. Wir sind ein sehr kleines Land mit wenigen Einwohnern und ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, aber ich denke dass viele Iren, spaetestens seit dem Besuch der Queen in Cork, insgeheim ihren Royalismus rausgelassen haben.

Einzig die Pseudolinken, die schon so links sind, dass sie rechts wieder durch die Tuer kommen, meinten Bambule machen zu muessen. Dabei vergessen sie folgende Dinge:
1.) Der Krieg ist seit ueber 80 Jahren vorbei
2.) Die Anglo-Irischen Vertraege sind in Beton gegossen. Nur noch grenzdebile Vollpfosten traeumen von einer Fusion der Republik Irland mit den 6 Countys Nordirlands. Vielleicht, irgendwann mal, loesen sich die Grenzen auf und die Nordiren schliessen sich der Republik an. Im Moment eher ausgeschlossen.Da kann die Real IRA, IRA und Sinn Fèin noch so mit den Hufen scharren und die Vollpfosten vom Oranje Orden tiefe Graeben in die Strasse laufen um dagegen zu sein -Auch die Spaten der UDF-.
3.) Auch wenn man es nicht glaubt, die wirtschaftliche Abhaengigkeit von England ist zu gross als dass man sich loesen koennte. Ist zwar bitter, aber die Regierungen Irlands haben das Geld mit vollen Haenden zum Fenster rausgeworfen, anstatt sinnvoll eine Wirtschaftsnation aufzubauen. “Irish Pride” im Supermarkt ist nicht der Stoff aus dem Legenden geschrieben werden. Und das, was ich in Irland kaufe, ist Made in UK, da beisst die Maus kein Faden ab. So gerne ich “Irish Pride” kaufe, wuerde ich verhungern, oder nackt rumlaufen.
4.) Bei Deutschen und Oesterreichern sagt man, “Beide trennt die gemeinsame Sprache.” Das gilt hier im besonderen. Auch wenn das gaelische mehr und mehr gepflegt wird, viele Iren denken man haette eine Halsentzuendung. Sender wie TG4 geniessen ein Schattendasein und werden hoechstens zu besonderen Anlaessen geschaut, aber auch nur mit englischen Untertiteln. Da fuehlt man sich wie in China wo Hanchinesisch uebersetzt wird, damit auch der Rest weiss was laeuft.
5.) Waehrend man die GAA auf allen Kanaelen sieht und als ein Stueck nationaler Identitaet verkauft wird, bekommt man SKY aus England, damit hier die Fussballfans die Premierleague geniessen koennen. Manche Iren erzaehlen bei Guiness, Beamish und Murphy wie stolz sie sind Iren zu sein, und schimpfen ueber die “da drueben,” tragen aber ein Leiberl von Chelsea, Arsenal oder Manchester. Irische Fussballvereine fristen eher ein Schattendasein und mein Patenkind versucht alles, um die Popularitaet zu steigern.
6.) Es ist eine Schande wenn jede Woche tausende von Iren das Land verlassen um Arbeit zu finden. Die sind hochqualifiziert und gehen in die USA,nach Kanada, Australien, Neuseeland oder, die meisten gehen nach England um Arbeit zu bekommen.
Statt wie die Bloeden auf der Strasse zu stehen und zu bloeken, dabei noch Gardai zu verletzen, sollte man vielleicht mal die Finger aus dem Arsch nehmen und Irland gestalten. Das waere mal eine Aufgabe.

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Irish Sports

Iren lieben Sport, besonders wenn man wetten kann. So erfreuen sich Pferde- und Hunderennen grosser Beliebtheit und die Traveller in Knocknaheene haben in der Zucht von Windhunden, sowie Rennpferden ihr Einkommen gefunden.

Aber auch andere Sportarten sind sehr beliebt, besonders wenn es sich um Rugby, irish Football, Hurling, oder die british Premierleague handelt. Fussball, oder hier Soccer genannt, sucht man im irischen Fernsehen vergeblich. Hoechstens der Skandal um den Fussballclub Bohemians Dublin -immerhin einer der aeltesten Fussballclubs Europas, schaffte in die RTÈ News.
Wer Soccer mag und einen der irischen Clubs supported muss sich entweder in’s Stadion begeben, oder eine Tageszeitung kaufen. Allerdings die Nationalmannschaft erfreut sich grosser Beliebtheit, besonders wenn man eine Wette darauf abschliessen kann, ob das Team um Giovanni Trapattoni zur Endrunde antritt, oder doch wieder, wie bei der WM-Qualifikation, am Ende scheitert.

Hauptsportarten sind hier immer noch Rugby, oder die GAA Games, sprich Football und Hurling.

Rugby

The Rugby Country, wie von Guiness in einem Werbespot bezeichnet, ist der Stolz Irlands. Ich verstehe nicht viel von Rugby, aber Berichterstattung ueber Rugby ist im Fernsehen sehr verbreitet. Da hier die Teams in Provinzen eingeteilt sind, stellen die erfolgreichsten Provinzen auch die Spieler fuer das Nationalteam. Feste Groessen sind Munster und Leinster und wenn sich einer der Spieler den grossen Zeh beim duschen verstaucht, dann kommt das einer nationalen Katastrophe gleich. Die Rugbyspieler sind die Helden Irlands und auf Grund der Rivalitaet zwischen Irland und England geraet jedes Match zu einem Grossereignis. Quasi 1916 der Moderne. Gewinnt Irland, dann sind die Zeitungen voll mit Haeme und Spott, sowie Vergleichen zwischen den Helden der Befreiungskriege und den Helden auf dem gruenen Rasen. Verliert Irland, so wie beim Six Nations Cup, dann ist nationale Trauer angesagt und die Zeitungen sind tagelang voll mit Analysen. Es geht, wie mir ein Ire sagte, da nicht um Sport -verachtungsvoll und kopfschuettelnd ausgesprochen- es geht dabei um die Nationale Ehre. Und es ist die Pflicht eines jeden guten Iren, den naechstbesten englischen Spieler kampfunfaehig zu machen. Man kann, ja man darf sogar gegen Italien verlieren, aber gegen England das ist halt anders.
Zum Glueck verstehe ich, wie ich schon erwaehnte, nicht viel von Rugby, von der irischen Geschichte schon, so dass man mir bei einem Beamish versucht die Philosophie dieses Spiels und die besondere Philosophie gegen England zu vermitteln, um sich dann wieder der Premier League zuzuwenden und einem der britischen Vereine zuzujubeln, die sich hier wirklich grosser Beliebtheit erfreuen und im Stadtbild praktisch zur Ausgehkleidung gehoeren.

Irish Football und Hurling

Im Zuge der Nationalbewegung, so gegen Ende des 19. Jhr,. entstand hier in Irland die GAA -Galic Athletic Association-. Die Gruender der GAA wollten, dass sich die Iren auf ihre keltischen Wurzeln besinnen und einen Sport ausuebten, der ihrer Meinung nach, keltischen Ursprungs sei. Also kam man auf die Idee und mixte alle bekannten Sportarten wie Fussball, Rugby, Handball und Volleyball zusammen, nannte das Gaelic Football und fertig war die Laube. Football ist eine der Nationalsportarten hier in Irland und die Matches zwischen den Counties erreichen hohe Einschaltquoten auf TG4. Man kennt die Spieler und indentifiziert sich mit dem County in dem man lebt.
Im letzten Jahr kochte in Cork die Euphorie, als “The Rebels,” wie man das Team liebevoll auf Grund der Geschichte Corks nennt, ueber. Das Team aus Cork gewann die GAA Meisterschaft und holte den Pokal nach ueber 20 Jahren wieder in das Rebel County. Perfekt wurde der Triumph Heute als man das Team aus Dublin im Finale schlagen konnte.

Gaelic Football, ebenso wie Hurling, besteht aus einfachen Regeln. Man darf den Ball mit der Hand, dem Fuss, dem Kopf, also mit jedem Koerperteil spielen, und versucht den Ball entweder zwischen zwei hohen Stangen -entlehnt aus dem Rugby- oder im Tor des Gegners unterzubringen. Ein Tor zaehlt dabei 3 Punkte, der schuss zwischen die Stangen einen Punkt. Normal sind 60 Minuten Spielzeit, bei Intercountygames 70 Minuten -zweimal 35 Minuten-. Jedes Team besteht aus 15 Spielern und spielt auf einem Feld von 130-145 Metern Laenge und 80-90 Metern Breite.
Gewonnen hat wer die meisten Punkte erzielt. Da die Zaehlung etwas kompliziert ist hier ein Beispiel: Die Mannschaft aus Cork erzielt ein Ergebnis von 03-15, die aus Donegal ein Ergebnis von 01-17. Gewonnen hat Cork mit 3×3 Feldtoren und 15 Stangentoren. Simpel, gell? Trotzdem nimmt man manchmal einen Taschenrechner zur Hand wenn die Situation etwas unuebersichtich ist.
Eigentlich ein Koerperloses Spiel, schreitet der Schiedsrichter eher selten, wenn ein Spieler bewusstlos am Boden liegt -”Ach der Mann simuliert doch nur”- und zeigt, je nachdem, die gelbe oder rote Karte.

Um international spielen zu koennen, etwa eine Millionen spielen den Sport Weltweit, hat man die Regeln angepasst und veranstaltet Wettkaempfe gegen Australien, wo der sich der Aussie-Football einer grossen Beliebtheit erfreut und fuer ausverkaufte Stadien sorgt.

Hurling ist ein anderer Mannschaftssport der sich in Irland grosser Beliebtheit erfreut und auf keltische Wurzeln zurueckgreifen kann. Ob Hurling bei den Kelten wirklich gespielt wurde, darueber streiten sich die Geister. Ausser den Ueberlieferungen und einem Kapitel in den Cù Chulainn gibt es nichts. Anscheinend wurde es aber schon im 12 Jhr. in Irland gespielt.
Die Regeln entsprechen dem Gaelic Football mit dem Unterschied, dass die Spieler einen kleinen Ball mit einem Schlaeger ueber das Spielfeld pruegeln.
Mich erinnert das Spiel ein bisschen an Lacrosse, wahrscheinlich waren es Iren die Amerika zuerst entdeckt haben und aus Hurling das indianische Lacrosse entstand (ich werde darueber auch meine Doktorarbeit schreiben, hihi).
Leider ist das Team aus Cork zur Zeit nicht in Topform, so dass wir zwar gut mitspielen, der grosse Erfolg sich aber nicht einstellt.

Premier League

Irische Teams sind in Europa eher unterrepraesentiert und viele Fussballspieler verdienen in der englischen Premierleague oder Schottland ihr Brot. Welchen Stellenwert der englische Fussball im irischen Alltag hat sieht man hier taeglich, wenn man durch die Strasse geht. Zum regulaeren taeglichen “Businessanzug” gehoert ein Jersey von Chelsea, Arsenal, Manchester, Liverpool oder Celtic. Dazu eine Trainingsjacke, vorzugsweise in den Farben des Lieblingsvereins und eine Trainingshose in der gleichen Farbe. Liverpool dominiert Irland, da viele Iren ein geradezu liebevolles Verhaeltnis zur Stadt Liverpool und zur Anfieldroad pflegen. Liverpool gilt den Iren als “Hafen zur Arbeit.” In der Vergangenheit kamen viele Iren ueber Liverpool, um in England Arbeit zu finden. Wahscheinlich sehen viele Iren die Stadt auch nicht als englisch an.
Irische Vereine findet man nur in der Zeitung oder im Stadion. Mein Verein -dessen Mitbesitzer ich bin-, der Cork City Football Club, spielt in der zweiten irischen Liga und manchmal sieht man jemanden im Jersey von Cork durch die Strasse laufen, zwischen den Hurling und Footballshirts von Cork.
Einzig die Nationalmannschaft Irlands hat einen Ruf und deren Spiele werden regelmaessig im irischen Fernsehen uebertragen, begleitet von den Kommentaren ehemaliger irischer Nationalspieler. Und wenn Irland gegen England spielt…siehe Rugby. Da geht es um mehr als nur um Fussball. Da geht es um…., nach einem Jahr fuehle ich schon irisch und mache jetzt keine Vergleiche.
Vielleicht, wenn irische Vereine in Europa eine Rolle spielen, wird sich das wohl aendern und Soccer mehr Zeit im Fernsehen bekommen.

Kleines Geschichte noch am Rande. Der Ausruester der GAA, die Firma O’Neills, nutzt seit Gruendung die beruehmten 3 Streifen. Die Firma, die ich auf Grund der Bekanntheit wohl nicht nennen muss, verzichtete auf Klagen mit der Auflage dass O’Neills ausschliesslich in Irland vertrieben wird. Da Gaelic Football und Hurling ausserhalb Irlands kaum bekannt sind und Vereine wie Cork, Dublin oder Donegal im Ausland kaum Supporter haben duerfte O’Neills auch weiterhin eine irische Firma bleiben.

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Irland und die Neutralitaet

Da sich der 8. Mai naehert, ich in Irland lebe und in einem Kommentar bei Facebook geschrieben wurde, Irland haette fuer Dikatoren etwas uebrig, ist es an der Zeit mal etwas ueber irische Geschichte zu schreiben.

Die Geschichte Irlands ist begleitet von 800 Jahren Fremdherrschaft. 800 Jahre war Irland von seinem Nachbarn Grossbritannien besetzt und schaut man sich die Karte an, dann sieht man, dass diese Zeitspanne seine Spuren dahingehend hinterlassen hat, dass es eine Republik Irland gibt und Nordirland, eine autonome Provinz von England. Nach dem Anglo-Irish War und dem Buergerkrieg zwischen Republikanern und Provisional Government hatte man wenig Lust sich in irgendeinen Konflikt ziehen zu lassen.
Der Krieg und Buergerkrieg waren nicht mal seit 20 Jahren vorbei. Ausserdem war man der Meinung dass kleine unabhaengige Staaten sich aus dem Konflikt grosser Laender raushalten sollten, wie de Valera die Haltung Irlands erklaerte.

England draengte Irland zu Beginn des Krieges seine Neutralitaet zu Gunsten der Alliierten aufzugeben und Deutschland den Krieg zu erklaeren. Man drohte Irland auch mit wirtschaftlichen Einschraenkungen, sollte Irland weiterhin an seiner Neutralitaet festhalten Trotzdem hielt man an seiner Neutralitaet waehrend der Kriegzeit, sehr zum Unwillen Berlins fest.
Hitler dachte, dass die Iren gegenueber einer Einmischung Deutschlands nicht abgeneigt waeren, zumal einige Iren nicht nur waehrend des spanischen Buergerkriegs aus Seiten Francos kaempften und auch in die Waffen-SS eintraten, und war ueberzeugt, dass Irland sich dem Nationalsozialismus anschliessen wuerde. Die Iren allerdings hielten von Hitler und dem ganzen einen Dreck. 70.000 Buerger des irischen Freistaates traten in die britische Armee ein und verrichteten ihren Dienst in Navy, Army und Airforce. Ca. 200.000 in England lebende irische Buerger meldeten sich freiwillig zum Dienst in der britischen Armee.
Die irische Neutralitaet sah so aus, dass die Regierung in Dublin den Alliierten Bombern Ueberflugrechte ueber Donegal einraeumte -Donegal Corridor-, damit man die Basen in Fermanagh (Nordirland) erreichen konnte. Ebenso wurden Flugzeuge der USAAF auf dem Shannon Airport betankt und Flugboote in der Naehe von Foynes, bevor sie Richtung Nordafrika weiterflogen. Piloten, die auf dem Gebiet Irlands abstuerzten, wurden zur Grenze nach Nordirland gebracht und dort uebergeben. Dagegen musste die deutsche Botschaft in Dublin fuer die Internierung deutscher Piloten und Marineangehoerige bezahlen. Als das Geld ausging wurden die Deutschen Internierten zum Arbeitsdienst auf irischen Farmen herangezogen. Nicht ein Deutscher wurde an das Reich zurueckgegeben sondern blieb bis Kriegsende in irischer Internierung.
Piloten der Alliierten, die in Irland verstarben, wurden mit allen militaerischen Ehren Nordirland uebergeben. Es ist ueberliefert, dass die Besatzung eines amerikanischen Bombers der in Irland abstuerzte mit den Worten uebergeben wurde, “Ours is the Honour, but yours is the Glory!” und dabei die Ehrenformation die Gewehrkolben nach oben hielt um die Toten zu ehren.

Ich glaube nicht, dass man Irland vorwerfen kann mit Dikatoren zu kuscheln, auch wenn die IRA, oder Mitglieder der IRA, versuchte den Kampf gegen die Briten mit Hilfe der Deutschen wieder aufzunehmen. Versuche der IRA wurden auch in Irland torpediert und der irische Geheimdienst arbeitet eng mit dem britischen zusammen und versorgte diesen mit Informationen. Ebenso waren es irische Meteorologen die den Allierten die Wettervorhersagen fuer die irische See gaben und so, indirekt, fuer den Erfolg von D-Day beitrugen.

Natuerlich kann man Eamon de Valera vorwerfen, er haette einen Faible fuer den Nationalsozialismus gehabt, schliesslich haette er ja zum Selbstmord von Adolf Hitler konduliert und hat sich bei Roosevelts Tod nicht blicken lassen. Ganz ehrlich und auch wenn ich vielen Iren vor den Kopf stosse, von de Valera halte ich gar nichts. Die ambivalente Haltung Irlands waehrend des Krieges finde ich gut, schliesslich haette man auch konsequent Neutral sein koennen. de Valera allerdings hat immer versucht Vorteile aus der Situation zu ziehen. Schliesslich war er es der Collins und die Anderen 1921 in’s offene Messer laufen liess, wohl wissend was der Vertrag ausloesen wuerde.

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Muenchner Goetterdaemmerung

Man hat es als Bayernfan nicht leicht, vor allem wenn man im Ausland wohnt. Spiele des FC Bayern bekommt man ueber den Kicker mit, ansonsten informiert man sich aus der Presse ueber den FCB.
Von daher war ich doch mehr als ueberrascht als man sich mit van Gaal einigte und seinen Vertrag zum Ende der Saison aufloest.

van Gaal, war das nicht der “Fussballlehrer,” derjenige der den FCB zum ewigen Ruhm bringen sollte? Vor allem nachdem man Klinsmann total demontiert hat? Und war es nicht der Vorstand des FCB der unbedingt den Vertrag mit van Gaal bis 2014 verlaengern wollte? Voll des Lobes hat man van Gaal als den Messias gefeiert als man in der letzten Saison das Double holte und in der CL im Finale scheiterte. Nun ist das alles vergessen und van Gaal ist das boese schlecht hin wenn man dem Boulevard folgt. Kein System, keine Philosophie, katastrophale Fehler, so die Schlussfolgerung.
Also, da musste der Louis weg. “Unterschiedlicher Auffassung” , so die Verantwortlichen des FCB, sei man gewesen und Sportbild listete alle Fehler des Managers auf, als sei van Gaal fuer so ziemlich alles verantwortlich.
Nervig sind dabei die, wie ich sie nenne, Moechtegernfans, die sich im Glanz des Vereins sonnen, solange der FCB erfolgreich ist, aber sofort durchdrehen wenn es nicht so laeuft wie erwartet.
Und was nervt, das ist das unkonstante beim FCB. Eine Saison Meister, naechste Saison Vize oder Dritter und sofort denkt man ueber den Trainer nach. Konstant ist auf jeden Fall was anderes.

Wer, wie ich, schon etwas laenger Fan des FCB ist, und zwar gut 40 Jahre, der erinnert sich an Zeiten in denen der FCB 7:4 gegen Schalke verloren hat. Trotzdem drehte man nicht sofort durch und entliess den Trainer. Und man erinnert sich an Spieler die gegen den Vorstand revoltierten. Die Zeiten sind aber vorbei. Erfolg heisst, Meisterschaft, DFB-Pokal und nach Moeglichkeit Championsleague, wird das Ziel nicht erreicht, Trainer weg und jammern, dass man auch so Erfolgreich sein will wie Madrid, Barcelona und andere. Dabei vergisst man, dass Mannschaften wie Arsenal einen Manager mit Pensionsanspruch haben.

Nun ueberlegt man also wieder wer fuer etwa 2 Jahre Trainer wird und schaut man sich die Liste an, dann koennte man auch Dettmar Cramer fragen ob er bereit steht. Der ist zwar ueber 80, schaffte aber zweimal den “Europapokal der Landesmeister” (Heute Championsleague) und wurde 1976 Weltpokalsieger. Das waren noch wilde Zeiten, aber Dettmar wuerde wohl nicht in’s Konzept passen, da Dettmar eher der Arbeiter war und anderen den Boulevard ueberliess.
Kurzfristig mag das Konzept, oder die offensichtliche Philosophie greifen, langfristig ist man auch nur ein Verein unter vielen, der zwar eine Saison lang die Bundesliga dominiert, aber langfristig immer wieder zum Scheitern verurteilt sein wird.
Es waere also gut, wenn man in Muenchen ueberlegt, wie man sich eine Zukunft des FC Bayern vorstellt, Geld hin, Geld her. Vor allem sollte man sich mal die “Erfolgreichen” wie Barcelona anschauen. Die sind so verschuldet, manche wuerden das Volksnah nennen, dass denen nicht mal ein Grashalm gehoert. Und mein zweiter Lieblingsverein, der FC. Liverpool, hatte in dieser Saison massive Probleme, nicht nur sportlich, sondern auch finanziell. Und viele Liverpoolfans sind unsicher, ob mit den neuen Besitzern auch der sportliche Erfolg langfristig gesichert ist.

Gute Spieler sind heute Teuer, gute Trainer selten, der Fussball zum Event verkommen, bei dem Mannschaften wie Barcelona, Madrid, Milano, Chelsea, Arsenal, Liverpool, oder auch der FCB zum Siegen verdammt sind. In Liverpool allerdings gilt noch der Slogan, “You’ll never walk alone”. Selbst als der Verein mit dem 19. Platz in die Saison startete glaubte man an die Wende. In Bayern glaubt man nicht mal an die Wende, wenn der Verein 4. ist, worueber andere Fans mehr als gluecklich waeren.
Der Verein den ich in Irland unterstuetze ist 6. in der Second Divison, aber der gehoert mir mit, denn der Cork City Football Club gehoert seinen Mitgliedern, fuer den Vorstand des FCB undenkbar.
Und so wird der Vorstand sich einen Trainer suchen der wahrscheinlich eine Saison Erfolg hat, und in der naechsten Saison ausgewechselt werden wird. Beklatscht von den Fans, die es ja schon immer gewusst haben wie bescheuert der Trainer ist.

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Close Encounter

In Irland, so heisst es, gibt es deswegen keine Schlangen weil St. Patrick, der Schutzpatron Irlands, die von der Insel jagte.
Ich denke eher die konnten im Winter nicht in den Pub und verliessen deswegen Irland.

Trotzdem haben wir hier etwas, was ich so noch nie gesehen habe, auch wenn Hella sagt in Plymouth waeren sie groesser. Und zwar handelt es sich um Spinnen. Spinnen in der Art, wie wir sie hier haben, kenne ich eigentlich nur aus Terrarien und aus dem Zoo.
Ich weiss nicht wo sie leben, vermute aber dass diese Art von Spinnen sich von Beamish oder Murphys ernaehrt. Seit ein paar Tagen laufe ich nach der Arbeit von Knocknahenee bis zu meiner Wohnung -etwa 30 Minuten Fussweg- und traf heute wieder eine dieser, wie ich sie nenne, Arachno Alkoholis. Kennzeichen der Arachno Alkoholis ist dieser etwas unsichere schwankende Gang,-bisher warte ich aber noch auf ein singendes Exemplar, “I’ve been the Wild Rover…hicks”-
So torkelte also eine Spinne von enormer Groesse, ca. 5cm, ueber den Buergersteig in Knocknahenee. Fuer mich, der Spinnen nicht leiden kann, war das ein Close Encounter of the Third Kind.

Da ich in der Gegend nicht weiss ob die Spinnen auch friedlich sind, wich ich natuerlich in grossem Bogen aus. Wahrscheinlich hing sie den ganzen Tag ueber mit ihren Spinnenkumpels auf einem Spiel- oder Sportplatz rum, hat sich mit billigem Bier aus dem Off-Licence abgefuellt, und sich dann Abends auf den langen Heimweg in irgendeinen Keller gemacht, wo sie dann die Asseln und anderes Getier im Suff mobbt. Und mit diesen unangenehmen Gestalten moechte ich nicht wirklich was zu tun haben.
Vor ein paar Monaten hatte ich schon mal eine Begegnung dieser Art gehabt. Diese Spinne, dick und braun mit feistem Grinsen, sass an meinem Schrank und machet keine Anstalten sich irgendwohin zu bewegen. Wuerde meine Mutter noch leben, sie haette die Spinne mit einem entzueckten Aufschrei, “och das arme Maeuschen!”, auf die Hand genommen und nach draussen gebracht.
Ich hingegen nutzte eine leere Tabaksdose und trieb das Drecksvieh da rein, denn bei der Groesse weiss ich nicht ob die in den Daumen beissen koennen, und einen Wundbrand durch irischen Whisky wollte ich nicht wirklich riskieren.

In unserem Hinterhof habe ich sie aus der Dose geschuettelt und das Vieh bewegte sich erst traege, wahrscheinlich wegen der Kaelte, und dann torkelnd davon. Ich haette aber schwoeren koennen dass sie schon am fruehen Morgen “Wrap the green Flag around me Boys” -”The green Flag,” Lied der irischen Rebellen und Gruen ist nicht die Farbe des Islam, sondern Irland- gesungen hat, und sich dann Richtung Waschkueche fortbewegte wo sie wahrscheinlich die letzten Reste Waschpulver verputzte.

Mir sind diese Art von Spinnen einfach nur unheimlich. Ich habe zwar nichts fuer Verschwoerungstheorien uebrig, aber koennte es nicht sein dass uns die Englaender diese Spinnen geschickt haben? So als Rache fuer die irische Unabhaengigkeit? Oder auch die EU, schliesslich stehen wir in ganz Europa in der Kreide…….hmmmmmm, ich werde das weiter beobachten.

Dank an Hella fuer die Anregungen und Ideen

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